Nietenhose
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Nietenhose, die: formschönes Beinkleid aus der Gattung der Funktionskleidung.
[bearbeiten] Vorläufer
Die Nietenhose ist eine konsequente Weiterentwicklung der vormaligen einteiligen Ritterrüstung. Zeichnete sich letztere einerseits durch ein Maximum an persönlichem Schutz vor Umwelteinflüssen aus, so waren andererseits ihre Nachteile in Punkto Tragekomfort nicht von der Hand zu weisen. Dem ausgesprochen langwierigen Ankleideprozess gesellten sich störende Qietschgeräusche sowie ein Mangel an Geschmeidigkeit an die Seite, welche die klassische Rüstung beim Herrn von Welt nach und nach zur zweiten Wahl werden liess, wenn es um die gehobene Abendgarderobe ging.
Abhilfe brachte zunächst die zweiteilige Kreation Bottom-Top, welche aus einer Blechhose sowie einem langärmeligen Oberkörperharnisch mit Stehkrägelchen bestand. Der ungemeine Zuwachs an Bewegungsfreiheit besonders im Hüftbereich machte für mehrere Jahre diesen Metal Suit zum Renner auf allen Tanzbällen sowie insgesamt bei offiziellen Anlässen, bei denen elegante Verbeugungen zum guten Tone gehörten. So entstanden in rascher Folge auch Zweiteiler für den Freizeitbereich, in denen dreiviertel lange Blechhosen und ärmellose Harnische dominierten, die den Schutz der wichtigsten Körperteile mit einem weiteren Zuwachs an Tragekomfort aufs Schönste verbanden.
Während für den kleinen Geldbeutel Werkstoffe wie Zink und Messing (in der gehobeneren Ausstattung auch mit Blattgoldauflage) Verwendung fanden, verwendete die Haute Couture bevorzugt Schwer- und Edelmetalle wie Wolfram, Silber und Gold. Ein angekündigter Wohlfühl-Zweiteiler aus der Schmiede Krupp in Quecksilbertechnik hingegen gelangte aufgrund technischer Probleme nie zur Auslieferung.
[bearbeiten] Neuerungen
Die Erfindung des mechanischen dampfkraftgetriebenen Webstuhls bewirkte eine Revolution in der Fertigungstechnik. Durch die PS-starken Webstühle war die Verwendung von Draht als Webgarn nun kein Problem mehr. Die herkömmliche Blechhose nebst Kettenhemdchen, in langwieriger und damit kostenintensiver Handschmiedetechnik erstellt, konnte nun durch schmucke Kleidung aus Feinwebware in Gabardine-Maschendrahtauslegung ersetzt werden. Hierdurch sank das Durchschnittsgewicht eines eleganten Abendanzuges (Grösse 50) von ca. 80 Kilogramm auf knapp unter 50 Kilogramm, ohne dass sich der Herr auch nur im Mindesten weniger gewappnet hätte fühlen brauchen. Besonders schmalbrüstige Männer oder auch ältere schwächelnde Herren von Stand profitierten hiervon ungemein und das gesellschaftliche Leben nahm hierauf einen ungeahnten Aufschwung. Tanzvergnügen, nun auch im flotten 2/2-Takt, stellten hohe Ansprüche an die Spielkunst der Orchester und auch die Marschmusik legte kräftig von bislang 8 bpm auf phantastische und kaum für möglich gehaltene 18-20 bpm zu. Dauerte eine übliche Militärparade eines 300 Meter langen Zuges bislang gute 20 Minuten, rauschte eine drahtstoffuniformierte Einheit gleicher Länge nun in sagenhaften 12 Minuten an der Ehrentribüne vorbei.
Nachteilig wirkten sich jedoch vor allem zwei Tatsachen aus. Zum Ersten führte die doch relativ üppige Maschengrösse der Eisenstrickware zu Durchzug, verbunden mit chronischen Krankheiten wie Blasen-Darm-Katarrhen, Hexenschüssen und weiteren Inkommoditäten. Zum Zweiten wurden, insbesondere zu Sommerzeiten, wo der luftige Strickharnisch eigentlich seine Vorteile hätte ausspielen sollen, regelmässig etliche Kämpen das Opfer tödlicher Blitzschläge, wohingegen der Rest nach erfrischenden Sommergewittern doch arg mit Rost zu kämpfen hatte. Weiterer Fortschritt tat also durchaus Not.
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